Eine kleine Buettenrede zum Fasching
Der Mensch, er fasset den Entschluss
Dass er Doktor werden muss
Das Befriedigend, nicht voll
Doch findet ihn die Uni toll
Dazu noch eine Gelderspende
Und siehe da, mehr als behende
Zur Promovierung zugelassen
Ach, er kann sein Glueck nicht fassen
Hurtig macht er sich ans Werk
Doch Arbeit macht die Finger derb
Familie, Beruf, die Zeit ist knapp
Da schreibt er ein paar Seiten ab
Schwupp, hat man erst mal gelogen
Sind die Skrupel schnell verflogen
Ein Gutachten hier, ein paar Seiten da,
Der Doktorvater ruft: Heureka!
Schnell, lass‘ uns das Oeuvre binden
Niemand wird die Stellen finden
Auch wenn fast alles abgeschrieben?
Niemand straft den Freiherrn Luegen
Mit dem Doktor vorne dran
Ist er ein gemachter Mann
Weg ist nun die Barriere
Zu der steilen Karriere
Und bevor man sich‘s versieht
Hat das Volk ihn auch noch lieb
Soll die Streitkraft reformieren
Und gesund konsolidieren
Die Kanzlerin ist ganz betoert
Als er dann den Amtseid schwoert
Doch Akademia, voller Tuecke
Untersucht sein Meisterstuecke
Behauptet dann, ganz unverhohlen
Der Doktortitel sei gestohlen
Von Plagiat wird da gesprochen
Doch hier wird nicht zu Kreuz gekrochen
Er habe doch nur falsch zitiert
Und ein paar Stellen nicht markiert
Laut ist da das Wehgeschrei
Selbst in der eigenen Partei
Ein halbes Volk ist ganz empoert
Von den Medien sehr verstoert
Hat man den Herrn doch so verehrt
Doch nun man ihm den Ruecken kehrt
Und trotz sehr beredter Worte
Weist man ihm gar bald die Pforte
Vielmehr, er ist von selbst gegangen
Niemand soll mich hier belangen
Ein bisschen Busch, ein bisschen Roth
Kein Plagiat, nur Dichtersnoth
Ja, man ist schon inspiriert
Wenn man derart irritiert
Sollten es gar welche wagen
Mich dann auch zu hinterfragen
Sag ich nur: „Ich hab studiert“
Und fluester dann:“ Nicht promoviert!“
Denn damals, vor so langer Zeit
Stand kein Internet bereit
Und entgegen boeser Zungen
Waer‘ es mir sonst auch gelungen!
Auch wenn ein Mensch sich irren kann
Ist er deshalb kein schlechter Mann
Zur Basis kehrt er nun zurueck
Versucht mit Volkes Naeh‘ sein Glueck
Und die geschichtliche Moral?
Da sag ich nur:
Es war einmal…
Ein Gedicht frei nach Busch, Roth und anderen, umgesetzt von Susanne Moers.
Etwaige Aehnlichkeiten mit Persoenlichkeiten des oeffentlichen Lebens sind rein zufaellig.
Nichts fuer ungut…
Ein Dank, und dreifach Helau (aehem, Alaaf) meinem persoenlichen Versmassfetischisten.


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